sFeld und die Feldschaft
Kennst du das?
Freundschaften werden unverbindlicher. Menschen umgeben sich vor allem mit Gleichgesinnten. Manche melden sich irgendwann einfach nicht mehr. Und in Familien, Vereinen oder Freundeskreisen werden Konflikte häufig vermieden, destruktiv ausgetragen oder führen zum Kontaktabbruch.
Mich beschäftigt die Frage, wie wir wieder eine Kultur von Verbindlichkeit, Ehrlichkeit und Vertrautheit entwickeln können. Eine Gemeinschaft, in der unterschiedliche Meinungen, Lebensweisen und Weltanschauungen nebeneinander bestehen dürfen. In der wir auch bei Spannungen miteinander im Gespräch bleiben – oder uns bewusst voneinander verabschieden.
Ich bin in einem Dorf aufgewachsen. Das war manchmal eng, aber auch schön. Man kannte sich, bekam voneinander mit und gehörte irgendwie dazu. Ich selbst bin eher introvertiert, schätze meine Unabhängigkeit und bin manchmal gerne anonym. Gleichzeitig habe ich ein Bedürfnis nach Gemeinschaft.
Im Dorf gab es die mürrischen Nachbarn, die uns Kinder plagten, die sprücheklopfenden Grobiane, der engagierte Metzger und der smarte Maschienenbauer, welcher am Dorffest ein wihernden Gold-Esel gebaut hat. Sie mussten sich nicht alle mögen oder dieselben Ansichten teilen. Trotzdem waren sie aufeinander bezogen und gestalteten gemeinsam das Dorfleben. Darin liegt für mich etwas Wertvolles.
Natürlich war auch dieses Zusammenleben nicht frei von Anpassung, Rangordnungen und Ausgrenzung. Solche Dynamiken begegnen uns ebenso in Vereinen, Freundeskreisen und anderen Gemeinschaften. Oft wird das, was nicht zu den vorherrschenden Vorstellungen passt, an den Rand gedrängt.
Ich frage mich deshalb schon lange, wie wir Gemeinschaft und Verschiedenheit besser zusammenbringen können. Vielleicht braucht es dafür weniger Übereinstimmung als die Bereitschaft, Unterschiedlichkeit auszuhalten und miteinander in Beziehung zu bleiben.
Wie auf einer Wiese, auf der ganz verschiedene Pflanzen, Insekten und Tiere nebeneinander existieren, sich gegenseitig beeinflussen und voneinander abhängig sind. Und wir wissen ja, je diverser das Feld, desto reslienter ist der Organismus.
Auch wir Menschen sind aufeinander angewiesen. Unsere sozialen Institutionen und professionellen Dienstleistungen nehmen uns heute vieles ab – von der Kinderbetreuung bis zur Altenpflege. Das ist eine grosse Errungenschaft. Gleichzeitig kann etwas verloren gehen, wenn wir im Alltag immer weniger unmittelbar miteinander zu tun haben.
Warum sollte eine solche Feldschaft nicht auch mitten in einer Stadt entstehen können?
Daraus entsteht sFeld: ein soziales Experiment in Basel.
Wir möchten mit einer Gruppe von Menschen eine neue Form von Gemeinschaft ausprobieren. Wir treffen uns regelmässig, kochen, gestalten, feiern, sind draussen oder sitzen einfach zusammen. Wir lernen einander mit unseren Eigenheiten und Unterschieden kennen und schauen, was aus Vertrautheit, gemeinsamer Erfahrung und gewählter Verbindlichkeit wachsen kann.
Wir nennen dieses Experiment Feldschaft.
Eine Horde, selbst gewählt
Heute können wir freier entscheiden, wie wir leben. Doch ein verlässlicher persönlicher Kreis entsteht nicht von selbst.
Wie wäre es, Zugehörigkeit bewusst zu wählen? Mit Menschen, die ihr eigenes Leben führen und sich über längere Zeit aufeinander einlassen möchten. Die mitbekommen, was die anderen beschäftigt, sich gegenseitig achten für die Verschiedenheit und andere Sichtweise.
Nicht als Rückkehr zu einer Dorfgemeinschaft, in der alle dazugehören müssen. Sondern als selbst gewählte Verbindung, in der Eigenständigkeit und Zugehörigkeit zusammengehen.
sFeld ist ein Versuch dazu.
Erst die Menschen. Dann das Programm.
Oft bringt uns eine gemeinsame Tätigkeit zusammen: Wir treffen uns zum Paddeln, Singen oder Spielen. Bei sFeld zäumen wir das Pferd von hinten auf. Zuerst steht die Entscheidung, sich regelmässig und verbindlich zu begegnen. Was wir miteinander unternehmen, entwickeln wir selbst.
Vielleicht lädt jemand zu einem Kochabend oder einer Nachtwanderung ein. Jemand anderes organisiert ein Draussentanzen oder zeigt einen Film. Oder wir spielen Pingpong, machen Musik, bauen etwas oder reden über bedeutsame Nebensächlichkeiten.
Die Konstante sind die Menschen, die wiederkommen.
Die Verantwortung für die Treffen wandert durch die Gruppe. Alle bringen sich auf ihre Weise ein. So lernen wir auch Seiten voneinander kennen, die beim blossen Reden verborgen bleiben.
Für wen ist sFeld?
Für Menschen, die ihr eigenes Leben leben – und neugierig auf das der anderen sind.
Du interessierst dich für menschliche Entwicklung, gesellschaftliche Fragen und neue Formen des Miteinanders. Du möchtest etwas erleben, ausprobieren und mitgestalten. Du bringst eigene Ideen ein und lässt dich auch einmal auf etwas ein, das du selbst nie vorgeschlagen hättest.
Damit unser Miteinander lebendig werden kann, wünschen wir uns die Bereitschaft,
neugierig aufeinander zu bleiben: zuzuhören, ungewohnten Sichtweisen zu begegnen und die Bedürfnisse und Grenzen anderer ebenso ernst zu nehmen wie die eigenen.
ehrlich zu sein und bei sich hinzuschauen: auszusprechen, was dir wichtig ist, eigene Reaktionen zu hinterfragen und Spannungen nicht einfach auszuweichen.
verbindlich mitzugestalten: wiederzukommen, Absprachen einzuhalten, Verantwortung zu übernehmen und etwas Eigenes beizutragen.
Wir müssen das nicht immer gut können. Wir werden uns missverstehen, uns gelegentlich ärgern oder lieber recht haben wollen. Entscheidend ist die Bereitschaft, wieder aufeinander zuzugehen. Humor hilft dabei.
Eine bestimmte spirituelle oder politische Weltanschauung brauchst du ebenso wenig wie therapeutische Erfahrung. Uns interessiert, was unterschiedliche Menschen miteinander anfangen können.
Ein überschaubarer Rahmen
Für das Pilotjahr 2027 möchten wir in Basel ungefähr zehn bis zwölf Menschen zusammenbringen.
Wir verabreden uns zunächst für ein Jahr:
Zwölf gemeinsame Treffen: ein verbindlicher Abend pro Monat, mit wechselnder Verantwortung für die Gestaltung.
Drei zusätzliche begleitete Reflexionstreffen: Zeit, um gemeinsam auf unser Miteinander zu schauen.
Insgesamt also etwa 15 Treffen im Jahr. Die Termine vereinbaren wir möglichst früh. Regelmässige Teilnahme gehört zum Experiment, auch wenn natürlich einmal jemand verhindert sein kann.
Dazwischen dürfen weitere Aktivitäten entstehen: Ausflüge, gegenseitige Hilfe oder gemeinsame Projekte. Diese sind freiwillig. Niemand muss überall dabei sein, und wir müssen uns auch nicht alle gleich nahe sein.
Am Ende des Jahres schauen wir zurück: Was hat Freude gemacht? Was ist entstanden? Was würden wir anders machen? Möchten wir weitermachen?
Vielleicht wächst daraus eine längerfristige Feldschaft. Vielleicht verändert sich die Form. Das lassen wir offen.
Ab und zu gemeinsam hinschauen
An drei Reflexionstreffen nehmen wir uns Zeit für das, was im gemeinsamen Tun manchmal untergeht.
Was gefällt uns? Was fehlt? Finden alle ihren Platz? Wie verteilen sich Verantwortung und Einfluss? Was bleibt unausgesprochen? Und wie gehen wir mit Spannungen und unterschiedlichen Bedürfnissen um?
Wir tauschen unsere Wahrnehmungen aus und suchen gemeinsam nach einem Umgang mit dem, was sich zeigt. Wenn ein Konflikt dringend ist, warten wir damit nicht bis zum nächsten Treffen.
Diese Reflexionsräume sind keine Therapie. Sie helfen uns, unsere Gemeinschaft bewusst mitzugestalten. Erfahrungen aus NARM und Prozessorientierter Psychologie können uns dabei unterstützen.
Es geht nicht darum, ständig an uns zu arbeiten, sondern darum, miteinander leben zu können – auch wenn es einmal schwierig wird.
Verbindlich, mit Luft zum Atmen
Wir möchten ausprobieren, was entsteht, wenn wir über längere Zeit dranbleiben. Auch nach einem unspektakulären Abend oder wenn die erste Begeisterung einem vertrauteren Miteinander weicht.
Dabei bleibt jede und jeder eigenständig. Unterschiedliche Lebensweisen, Meinungen und Bedürfnisse haben Platz. Niemand muss sich anpassen, um dazuzugehören.
Und wenn jemand merkt, dass es nicht mehr passt, ist ein Abschied möglich. Wir wünschen uns, dass wir darüber sprechen und bewusst voneinander Abschied nehmen können.
Ein gemeinsamer Anfang
Anfang 2027 planen wir offene Kennenlernabende in Basel. Wir verbringen Zeit miteinander, kommen ins Gespräch und bekommen einen ersten Eindruck: Haben wir Lust auf dieses Experiment – und aufeinander?
Anschliessend führe ich mit den Menschen, die sich für das Pilotjahr interessieren, persönliche Gespräche. Dabei klären wir Erwartungen und schauen, ob der Rahmen für beide Seiten passt.
Auch Menschen, die ich bisher nicht kenne, sind ausdrücklich willkommen. Für den ersten Kreis wünschen wir uns unterschiedliche Hintergründe, gegenseitige Neugier und Freude am Mitgestalten.
Da die Gruppe klein bleibt, können wir möglicherweise nicht allen Interessierten einen Platz anbieten.
Wer sFeld initiiert
Ich bin Matthias Restle. Seit vielen Jahren begleite ich Menschen und Gruppen mit kreativer Selbsterforschung, NARM und Prozessorientierter Psychologie. Dazu kommen mein künstlerischer Hintergrund und Erfahrungen mit Retreats und offenen Gruppenprozessen.
Bei sFeld bin ich Initiator und selbst Teil des Experiments. Im ersten Jahr übernehme ich die organisatorische Initiative und begleite die drei Reflexionstreffen. Damit habe ich anfangs eine besondere Rolle und mehr Einfluss. Das möchte ich offen benennen.
Die monatlichen Treffen gestalten wir gemeinsam. Mit der Zeit soll die Verantwortung breiter verteilt werden. Ich bringe Erfahrung und Ideen mit – ebenso wie die anderen auch.
Was sFeld wird, entsteht durch die Menschen, die kommen. Und wiederkommen.
Neugierig?
Dann schreib mir ein paar Zeilen:
Was macht dir Lust auf sFeld?
Was würdest du gerne einbringen oder ausprobieren?
Wir schaffen das Feld. Und schauen, was das Feld mit uns macht.